In den USA ist der eBook-Reader Kindle Paperwhite schon etwas länger zu haben, in Deutschland hat Amazon die Auslieferung erst vor wenigen Tagen begonnen. Wir haben den 129 Euro teuren Reader (WLAN-Version) in einem Testbericht unter die Lupe genommen.
Technische Fakten
Das 169 mm x 117 mm x 9,1 mm große und 213 Gramm leichte Gerät ist mit einem 6 Zoll Touchscreen-Display ausgestattet, das 16 Graustufen darstellt. Wie bei dem Vorgängermodell setzt Amazon auf die E-Ink Technologie (“elektronische Tinte”), die eine scharfe und kontrastreiche Textdarstellung ermöglicht. Neu ist eine Beleuchtung, die auf Wunsch zugeschaltet werden kann und die Lektüre auch in dunklen Räumen ohne einer zusätzlichem Lichtquelle ermöglicht.
Der Paperwhite besitzt 2 GB internen Speicher, wobei ca. 1,25 GB für Nutzerinhalte zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu aktuellen Smartphones ist das eine überschaubare Speichergröße, für Bücher reicht der Platz jedoch völlig aus: Laut Amazon speichert der Kindle Paperwhite bis zu 1.100 Bücher.
Neue Bücher werden drahtlos und automatisch via WLAN auf den eBook-Reader geladen, wobei der Download in der Regel innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen ist. Alternativ ist der Paperwhite auch mit einem integrierten UMTS-Modul verfügbar, wobei Amazon für diese Variante 189 Euro verlangt.
Tipp: Wer ein Smartphone mit Tethering-Funktion besitzt (z.B. Apple iPhone oder viele Android-Geräte), kann sich den Aufpreis für die 3G-Version sparen und unterwegs bei Bedarf einfach mit seinem Handy ein WLAN-Netz für den Kindle herstellen, um neue Bücher auf das Gerät zu laden.
Verarbeitung
Der Paperwhite ist aus einem Kunststoff verarbeitet, der sehr robust wirkt. Das Gerät liegt gut und sicher in der Hand und ist mit seinen 213 Gramm leichter als viele Bücher. Insgesamt gibt es an der Verarbeitung nichts zu kritisieren.
Bedienung
Während das Vorgängermodell über seitlich und unterhalb des Displays angebrachten Tasten bedient wurde, hat Amazon beim Paperwhite – abgesehen von dem Einschaltknopf – vollständig auf mechanische Tasten verzichtet. Stattdessen wird das Gerät über den Touchscreen bedient, was nach einer kurzen Eingewöhngsphase gut funktioniert.
Ein klarer Vorteil des Touchscreens ist die bequemere Texteingabe. Wer im integrieren eBook-Store beispielsweise nach einem bestimmten Buch sucht, muss die Buchstaben des Titels nicht umständlich über eine Steuerungstaste auswählen, sondern tippt stattdessen bequem die virtuelle Bildschirmtastatur an. Weiterhin erleichert der Touchscreen die einfache Markierung von Textpassagen (Textmarkerfunktion).
Display
Während das Display des Vorgängermodells aufgrund der grauen Einfärbung doch eher an Recyclingpapier erinnerte, ist das Display des Paperwhites tatsächlich weiß. Die zuschaltbare Beleuchtung sorgt zusätzlich für eine deutlich bessere Textdarstellung, zumal Amazon zusätzlich die Auflösung nach oben geschraubt hat.

Während uns die Beleuchtung grundsätzlich gut gefällt, ist sie gleichzeitig auch der einzige nennenswerte Schwachpunkt des Paperwhite: Leider wird das Display nicht ganz gleichmäßig ausgeleichtet. Insbesondere am unteren Bildschirmrand gibt es leichte Helligkeitsunterschiede – allerdings in einem Bereich, in dem in den meisten Fällen ohnehin kein Text dargestellt wird.
Akkulaufzeit
Trotz der Akkulaufzeit schafft der Paperwhite laut Amazon eine Akkulaufzeit von bis zu acht Wochen. Es empfiehlt sich jedoch bei der Lektüre den Flugmodus zu aktivieren, um das WLAN-Modul abzuschalten – wer WLAN permanent aktiviert hat muss eine deutlich kürzere Akkulaufzeit in Kauf nehmen.
Funktionsumfang
Die Funktionen des Paperwhites sind überschaubar – es handelt sich eben um einen eBook-Reader und nicht um einen Tablet PC. Dementsprechened ist das Gerät vollständig auf die Darstellung von elektronischen Büchern ausgerichtet.
Amazon hatzusätzlich einen Webbrowser vorinstalliert, der grundsätzlich auch gut funktioniert. Die Darstellung von komplexen Websites macht auf dem graustufen Display freilich nur eingeschränkt Sinn. Praktisch ist hierfür aber die Artikelansicht, die das Layout, Werbung etc. entfernt und ausschließlich den reinen Text eines Artikels darstellt.
Der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, dass der Paperwhite ausschließlich mit dem eBook-Store von Amazon kompatibel ist und nicht auf andere Stores zugreifen kann.
Auf der anderen Seite unterstützt das Gerät neben dem Kindle Format 8 (AZW3 und AAZW) beispielsweise auch TXT-, PDF-, MOBI-, DOC- und HTML-Dateien. Textdokumente oder Bücher in diesen Formaten lassen sich per E-Mail zum Kindle schicken – das Gerät besitzt hierfür eine eigene E-Mail-Adresse.
Fazit unseres Kindle Paperwhite Test
Der Paperwhite ist gut verarbeitet und hat ein hervorragendes E-Ink Display. Die Bedienung ist grundsätzlich einfach, wobei eine kurze Eingewöhnungsphase notwendig ist. Kritik gibt es – abgesehen von der nicht ganz einheutlichen Displaybeleuchtung – nicht. Mit einem Preis von 129 Euro bietet der Kindle Paperwhite ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.
Leider befindet sich keine Schutzhülle im Lieferumfang, die trotz der robusten Bauweise empfehlenswert ist. Amazon bietet für rund 34 Euro eine Lederhülle an, die in verschiedenen Farben erhältlich ist und den Paperwhite beim Aufklappen automatisch ein- und beim Zuklappen wieder abschaltet.
